Geschichte Kochel, © Tourist Information Kochel a. See, Fotograf: Th. Kujat

Geschichte

Die Gemeinde Kochel a. See kann auf eine lange und wechselvolle Siedlungsgeschichte zurückblicken. Der Fischreichtum von Kochel- und Walchensee zog bereits um 1200 v. Chr. vorkeltische Bewohner an. Als älteste bekannte Siedlung im Raum Kochel gilt die befestigte Anlage auf der „Großen Birg“ und der „Kleinen Birg“, zwei mächtigen Felsblöcken am Südufer des Kochelsees. Sie stammt aus der Urnenfelderzeit um 1200 v. Chr. Während der Römerzeit gehörte das heutige Gemeindegebiet zur Provinz Rätien.

Kelten, Römer und das Kloster Benediktbeuern

Die weitere Geschichte der Region wurde über Jahrhunderte maßgeblich durch das Kloster Benediktbeuern geprägt, das wohl um 771 gegründet wurde. Das in älteren Darstellungen immer wieder erwähnte Kochler Frauenkloster konnte dagegen wissenschaftlich bislang nicht nachgewiesen werden und ist daher wohl eher als Legende einzuordnen.

Etwa aus derselben Zeit stammt die erste Erwähnung des Walchensees – zunächst noch ohne eigenen Namen und lediglich als geografische Bezeichnung. Der heutige Name erscheint erstmals im 11. Jahrhundert als „Walhense“. Im Laufe der Jahrhunderte finden sich weitere, ähnlich klingende Bezeichnungen, etwa „Walchensee“ im Jahr 1441 und „Wallersee“ im Jahr 1698. Mit wechselnden Besitzverhältnissen blieb der Walchensee bis zur Säkularisation im Jahr 1803 im Eigentum verschiedener Klöster.

Der Ortsteil Ried wird in den Benediktbeurer Klosterurkunden erstmals im Jahr 1031 erwähnt. Damals besaß ein Ministerialer des Klosters ein Gut in „Riet“. Trotz seiner geringen Größe verfügte Ried bereits im Spätmittelalter über eine vielseitige Bevölkerung. Neben Bauern lebten dort zahlreiche Handwerker, darunter Weber, Färber und Schneider. Die Nähe zum Kloster Benediktbeuern bot ihnen wichtige wirtschaftliche Grundlagen.

Der Schmied von Kochel

Überregionale Bekanntheit erlangte Kochel durch die Figur des „Schmieds von Kochel“. Der Überlieferung nach soll er in der Weihnachtsnacht des Jahres 1705 in der Sendlinger Bauernschlacht gefallen sein und wird seither als bayerischer Volksheld verehrt.

Der Aufstand war Teil des Widerstands der bayerischen Bevölkerung gegen die österreichische Besatzung während des Spanischen Erbfolgekriegs. Nachdem das bayerisch-französische Heer besiegt worden war, geriet Bayern unter die Herrschaft Kaiser Josephs I. Der Überlieferung zufolge sollen die letzten Worte des „Schmieds von Kochel“ gelautet haben: „Lieber bayerisch sterben als kaiserlich verderben!“

Die verlustreiche Schlacht, in der zahlreiche Aufständische aus dem Oberland getötet wurden, ging als „Sendlinger Mordweihnacht“ in die Geschichte ein. Ob der „Schmied von Kochel“ tatsächlich als historische Person existierte, ist allerdings nicht eindeutig belegt.

Kochel wird zum Tourismusort

Im Jahr 1861 gründete der Privatmann Dessauer das Hotel „Bad Kochel“. Vorausgegangen war die Erschließung einer hochwertigen Natronheilquelle, der „Marienquelle“, im Bereich des heutigen Kurparks. Das Heilbad zog zahlreiche prominente Gäste an. Im Gästebuch finden sich unter anderem Fürst Bismarck, russische Großfürsten und König Ludwig II. von Bayern, aber auch Schriftsteller wie Hoffmann von Fallersleben.

Nachdem die Heilquelle um 1920 versiegte, endete der Kurbetrieb. Die Gebäude wurden anschließend vom Orden der St.-Anna-Schwestern übernommen, die dort ein heilpädagogisches Kinderheim einrichteten.

Einen entscheidenden Aufschwung erlebte Kochel gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Mit der Fertigstellung der Kesselbergstraße und der Eisenbahn wurde der Ort deutlich besser erreichbar. Kochel entwickelte sich zu einem beliebten Ziel der Sommerfrische und wurde als Ausflugs- und Ferienort zunehmend bekannt. Wohlhabende Städter erwarben Grundstücke und ließen sich Häuser errichten. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte auf mehr als 1.200. Noch heute zeugen rund 40 über das Gemeindegebiet verteilte Jugendstilbauten von dieser glanzvollen Epoche.

Kesselbergstraße, Eisenbahn und Kraftwerk sorgen für Aufschwung

Nach dem Ersten Weltkrieg begann der Bau des Walchenseekraftwerks. Das Großprojekt brachte in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Beschäftigung und einen erheblichen Bevölkerungszuwachs. Während der rund sechsjährigen Bauzeit lebten bis zu 2.000 Arbeiter in Kochel und der näheren Umgebung. Einige von ihnen blieben dauerhaft in Kochel.

Im Zweiten Weltkrieg blieben das Kraftwerk und das Gemeindegebiet weitgehend von Zerstörungen verschont. Die männliche Bevölkerung musste jedoch einen hohen Blutzoll leisten: 201 Kocheler fielen im Krieg.

Nach Kriegsende stieg die Einwohnerzahl durch die Aufnahme zahlreicher Heimatvertriebener vorübergehend auf rund 4.950 an. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Kochel zu einer modernen Tourismus- und Wohngemeinde.

Heute leben rund 4.100 Menschen in der Gemeinde. Seit 1959 trägt sie offiziell den Namen „Kochel a. See“.

 

Die Wappengeschichte

Die Dreiberggruppe knüpft an den Ortsnamen Kochel a. See an, der von „cochila“ (Köchel, Bergkuppe, Felskuppe) abgeleitet wird.

Der Begriff ist für die nähere Umgebung von Kochel a. See mehrfach sprachgeschichtlich belegt; der Ortsname Kochel a. See ist als „Cochalon“ schon um 740 bezeugt. Die silbernen Bergspitzen verweisen zugleich auf die landschaftsprägende Alpenkette vor blauem Himmel, wobei die Farben Silber und Blau auch den bayerischen Landesfarben entsprechen. Das hintere Feld zeigt ein seit um 1500 nachweisbares Nebenwappen der ehemaligen Benediktinerabtei Benediktbeuern, die über ein Jahrtausend eng mit der Geschichte der Gemeinde Kochel a. See verbunden war und bis zur Säkularisation 1803 die Grundherrschaft in Kochel a. See und Umgebung ausübte.

Das heraldische Symbol „Ort“, eine Freifläche am oberen rechten Schildrand, ergibt zudem ein für den Gemeindeteil Ort redendes Zeichen.